Klosterschulen-Offenburg

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Kammermusikabend

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Titelzeile Offenburger Tageblatt

Nicht nur für die Prüfer

Klostergymnasium veranstaltete Kammermusikabend mit Schülerinnen Offenburg
Kammer-Prüfung Schülerinnen


"Vielversprechend und abwechslungsreich" – so charakterisierte Sr. Dorothea Benz, stellvertretende Direktorin des Mädchengymnasiums 'Unserer Lieben Frau', das Programm des Kammermusikabends des Neigungsfaches Musik am Klostergymnasium Offenburg. In der Tat: Von der Klassik und Frühromantik bis zu Jazzstücken waren musikalische 'Perlen' reichlich aufgereiht.

Musiklehrer Sebastian Klemm erläuterte die Hintergründe dieses Abends: Die aufgeführten Stücke sind eigentlich Abitur-Prüfungsaufgaben für die Fachpraktische Prüfung in Musik, die in wenigen Wochen stattfindet. Sie erfordern immens viele Übungsstunden von den Schülerinnen – und sind zu schade, um nur hinter verschlossenen Türen vor den Ohren einer gestrengen Prüfungskommission präsentiert zu werden. Klemm zitierte den großen Pianisten Rubinstein: "Wenn ich einen Tag nicht übe, merke ich das! Wenn ich zwei Tage nicht übe, merken die Kritiker das. Wenn ich drei Tage nicht geübt habe, merkt dies das Publikum!" An diesem Abend bekam das Publikum ausschließlich den immensen Übungsfleiß der Schülerinnen in einer perfekten Aufführung zu hören!

Schon das erste Stück, das Concertino in Es-Dur von Carl Maria von Weber, zeigte das: Auf einer wuchtigen Klavierintrada von Klemm aufbauend, demonstrierte Carina Lemke ihre technische Virtuosität auf der Klarinette an diesem romantischen Stück mit schwierigen, schnell wechselnden Passagen. Das Thema mit Variationen des Komponisten Gerhard Strecke (1890-1968), ein anspruchsvolles Stück in spätromantischem Stil, bot der Meisterschaft Dorothee Winklers auf dem Akkordeon die richtige Herausforderung. Sie baute, mit gekonntem Wechsel zwischen piano und forte, eine besondere musikalische Dramatik auf, schnelle stakkatohafte Läufe, die auch hohes technisches Können verlangen, kontrastieren mit langen, getragenen Sequenzen. In Dave Brubecks Jazz-Komposition Take five zeigte sie Gefühl für Rhythmik und Dramatik; sie erzeugt ‚Drive' mit dem Akkordeon. Das sehr sachkundige Moderatoren-Duo Meike Ganter und Gabriella Frank hob eine Besonderheit hervor: Joseph Haydns Oboenkonzert in C-Dur stammt mit großer Sicherheit nicht von Haydn, sondern von seinem Zeitgenossen Leopold Kozeluch, der diese Komposition von hoher Qualität unter dem berühmteren Namen veröffentlichte, eine im 18.Jhdt. nicht ungewöhnliche Praxis! Sophia Mäntele nutzte die Möglichkeiten der Oboe mit ihrem hellen warmen Ton für eine ausdruckstarke, feinfühlige Interpretation auch schwieriger Passagen. Danach bot Danielle Frey eine geradezu behutsame Interpretation von Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur; dennoch verlieh sie mit der Klarinette dem lebhaften 3.Satz, dem Rondo, die Unbeschwertheit Mozartscher Lebensfreude. Bernhard Krols Laudatio für Solohorn, ein oft für Prüfungen genutztes Stück, ist für Solisten eine Herausforderung, die Anna Beyer bravourös meisterte. In Chopins sogenannter Regentropfen-Prélude ließ Helena Stückler am Flügel mit einem technisch präzisen, hochkonzentrierten Spiel diese Regentropfen richtig "perlen". Was wäre ein solcher Abend ohne Beethoven? Er war selbst ein begnadeter Pianist, seine Klaviersonate in d-Moll ist daher ein sehr anspruchsvolles Stück, komponiert in Anlehnung an William Shakespears Stück Der Sturm. Und Jana Martin entfesselte mit hochvirtuosem Spiel am Flügel einen musikalischen Sturm im Sinne Beethovens. Auch ein Stück des dänischen Komponisten und Bartholdy-Schülers Niels W. Gade, begleitet von Mirjam Broß und ihrer Klarinette, zeigte Jana Martins Können am Flügel. Die Zugabe war ein Bonbon musikalischer Art: Die Solistinnen, zum Ensemble vereint, spielten ein mitreißendes Lied aus Liberia. Einleitend eine Violine (Gabrielle Frank), dann kamen Bongos und die übrigen Instrumente des Abends hinzu – dieses Kammermusikensemble schaffte problemlos den weiten Bogen vom Klassiker Beethoven zu den Klängen aus dem schwarzen Kontinent.

„Die Ohren und Herzen voller Wohlklänge nach diesem Ohrenschmaus" – Man kann den jungen Musikerinnen nur wünschen, dass die Prüfer ähnlich empfinden wie ihre Direktorin Sr. Dorothea

Offenburger Tageblatt, 1. Februar 2012
Autor: H. Schaufler