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Lea Portscheller organisiert mit Hilfe der Stadt und der Kloster-Schulen Sprachkurse für rund 80 ukrainische Geflüchtete.

Von rund 400 Ukrainerinnen und Ukrainern weiß die Stadt, dass sie vor dem Krieg in ihrer Heimat nach Offenburg geflüchtet sind. Etwa 80 von ihnen besuchen bereits die ehrenamtlich unterrichteten Sprachkurse in Offenburg. Lea Portscheller, die schon vor sechs Jahren Geflüchtete unterrichtet hatte, hat die Sache als private Initiative angestoßen. Klosterschulen und Stadt haben ihr Angebot gerne aufgegriffen und unterstützen.

Lea Portscheller ist Mutter eines kleinen Sohnes, arbeitet halbtags an der Hochschule Offenburg und weiß deshalb, wie wichtig es ist, das Kind gut betreut zu wissen. Weil sie sich schon bei der Geflüchtetenkrise vor sechs Jahren als ehrenamtliche Sprachlehrerin engagiert hatte und sie ein idealistischer Mensch ist, der weiß, dass Gesellschaft nur zusammenhält, wenn viele mehr tun als sie müssen, ging sie im März zu einem Treffen der Flüchtlingshilfe Rebland. Denn mit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine war klar, dass erneut das Thema Flucht und Integration auch in Offenburg wieder auf die Tagesordnung kommen würden. Lea Portscheller ist sich, wie sie sagt, sicher: “Jeder kann eigentlich eine Stunde in der Woche für so ein Engagement erübrigen.”

Klosterschülerinnen kümmern sich ehrenamtlich um Kinderbetreuung

Bei der Flüchtlingshilfe kam das Thema auf Sprachkurse und Lea Portscheller erklärte sich bereit, zu versuchen, diese zu organisieren. Anders als 2015 sind es diesmal mehrheitlich Frauen mit Kindern, die nach Deutschland geflohen sind. Deshalb, so die gute Idee, würde eine parallel zum Sprachkurs angebotene Kinderbetreuung hilfreich sein. Portscheller erzählte Patrick Hand, Lehrer am Kloster-Gymnasium, den sie privat kennt, von der Idee. Er fand sie gut und trug sie ins Kollegium, wo er ein positives Echo bekam. Schulleiter Wilfrid Arens bot spontan an, Schulräume zur Verfügung zu stellen. Und auch für die Kinderbetreuung fand sich eine Lösung. “Insbesondere möchte ich die Schülerinnen der 9. und 10. Klassen hervorheben”, ist Patrick Hand voll des Lobes. “Sie kümmern sich in ihrer Freizeit und sehr engagiert um die Kinder der Teilnehmerinnen an unseren Kursen.” Montag bis Freitag sind nun täglich zwei Kurse mit bis zu zehn Teilnehmenden im Kloster möglich. Nur dienstags wird im Stadtteilzentrum Stegermatt unterrichtet, denn auch die Stadt ist mit ins Boot gegangen und unterstützt mit Lehrmaterial, diesen Räumen und dem Anmeldeservice, erklärt Noemi Driemel, Flüchtlingsbeauftragte der Stadt. Sie koordiniert auch gemeinsam mit Lea Portscheller die Neuangemeldeten und die laufenden Kurse.

Bis vergangene Woche hatten sich 16 Personen bereiterklärt, ehrenamtlich die Geflüchteten zu unterrichten. Darunter auch Aleksej Tikhonov. Der russische Sprachwissenschaftler lebt in Offenburg und betreibt zusammen mit seiner Partnerin einen Osteuropa-Kulturblog. Zum Ukraine-Krieg hat er eine Meinung, die der russischen Staatspropaganda diametral entgegensteht. Und so war es für ihn auch selbstverständlich, den Geflüchteten beim möglichst schnellen Spracherwerb zu helfen. Sein Vorteil ist, dass er Russisch spricht, was die meisten Ukrainer verstehen.

Von Ralf Burgmaier